Interview mit Johanna Dömötör

Unsere Interviewreihe „Meet the Artist” geht in eine neue Runde: Johanna Dömötör machte sich schon in jungen Jahren einen Namen als talentierte und ambitionierte Flötistin, die bei mehreren hochkarätigen Wettbewerben (u.a. dem Internationalen Flötenwettbewerb in Singapur) den 1. Platz belegte. Nach ihrer Zeit als Soloflötistin im Sinfonieorchester Basel zog es sie nach Linz an die Anton Bruckner Privatuniversität, wo sie heute eine der jüngsten habilitierten ProfessorInnen ihres Faches ist. Darüber hinaus teilt sie sich als Solistin mit weltbekannten Orchestern und Ensembles die Bühne. 

 

JohannaDömötör

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Musik studiert hätten?

Immobilienmaklerin. 

Welches war das beste Konzert-Erlebnis, an das Sie sich erinnern können? 

Die Konzerte, die ich gespielt habe, als ich mit meinem Sohn schwanger war, gehören sicher zu den emotionalsten. Ein ganz besonders schöner Moment war damals das 4. Beethoven-Klavierkonzert mit Rudolf Buchbinder. 

Was ist das wichtigste Talent, das ein Musiker haben muss?

Das Interessante bei Musikern ist gerade das Zusammenspiel unterschiedlich stark ausgeprägter Talente. Wahrscheinlich ist das Wichtigste die Musikalität und das Gehör bzw. die musikalische Ausdrucksform. Trotzdem muss man die Talente in Einklang bringen durch ganz pragmatische Dinge wie zum Beispiel Fleiß, Koordination, physikalische Parameter, mentale Vorstellungskraft, körperliche Kondition, das Aneignen einer eigenen Klangvorstellung usw. Also alles Dinge, die man im Grunde trainieren kann. 

Von welchem Lehrer haben Sie am meisten gelernt?

Von allen. Die prägendsten Sätze sind mir gut in Erinnerung geblieben.
Andrea Lieberknecht: „Du musst zuerst nach den Sternen greifen!“
Davide Formisano: „Du brauchst für jeden Ton, den Du spielst, ein Konzept!“ 
Jean Claude Gérard: „La technique c‘est la contrôle, la contrôle c‘est la technique!“ 
Gyula Csetényi: „Geh üben!“

Wenn Sie selbst unterrichten, was ist Ihnen mit am wichtigsten, was Sie Ihren Schülern vermitteln/weitergeben möchten?

Flexibilität und Zuverlässigkeit. Beruflicher Erfolg ist zu 90% gutes Selbstmanagement. Deshalb lege ich großen Wert darauf, dass meine StudentInnen lernen, flexibel zu reagieren auf OrchesterkollegInnen, KammermusikpartnerInnen, KollegInnen, LehrerInnen. Und wenn das alles gepaart ist mit einer guten musikalischen Vorbereitung und einer zuverlässigen Einhaltung von Abmachungen, dann ist der berufliche Erfolg garantiert! 

Welches Stück können Sie immer wieder spielen/hören, welches haben Sie schon zu oft gespielt/gehört?

Die Klavierkonzerte von Beethoven mit Rudolf Buchbinder gehen immer. Ich freue mich sehr, dass ich im November 2019 alle nochmal mit ihm spielen werde.
Bei Mozarts Flötenkonzert G-Dur muss ich mir ab und an einen Schubs geben, doch nach ein paar Takten bin ich schon wieder ganz verzaubert.

In welchem Konzertsaal spielen Sie am liebsten?

Während meiner Internatszeit in Budapest habe ich dutzende Konzerte im großen Saal der Franz Liszt Musikakademie Budapest besucht. Mich verbindet viel mit dem Saal, weil ich dort Größen wie Rostropovich, András Schiff oder Miklós Perényi live gehört habe. Ich war damals 18 Jahre alt und in einem Alter, wo ich alles sehr intensiv aufgenommen habe. Heute führen mich meine Konzerte immer wieder nach Budapest und jedes Mal, wenn ich in der Liszt Akademie spiele, bin ich beseelt von dem wunderschönen, geschichtsträchtigen Jugendstilsaal und seiner hervorragenden Akustik. Zudem all das in der Stadt, deren Flair ich so sehr liebe, die guten Restaurants, die historischen Kaffeehäuser, die unzähligen schönen Plätze und Gebäude. Meine Eltern stammen aus Budapest und haben mir dieses Geschenk einer zweiten Heimat mitgegeben, wofür ich dankbar bin. 

Welcher Komponist sollte Ihnen ein Stück schreiben? Was für eines wäre das?

Es gibt so viele gute Kompositionen, zum Beispiel schätze ich die Musik, gerade für Flöte, von Daniel Schnyder und Jörg Widman sehr. Bevor ich mir aber etwas Neues wünsche, eigne ich mir erstmal das an, was es für mich zu entdecken gibt. Da wartet ein ganzer Stapel Noten auf mich zu Hause.